Schloss Trumau: Von der „Grangie" zum Universitätscampus
Was im 12. Jahrhundert mit einer „Kornkammer" begann,
nimmt nun für eine Saat ganz anderer Art Gestalt an. Trumau
liegt im unmittelbaren Einzugsgebiet von Wien und wurde im 12.
Jahrhundert als „Endstück", als „drum",
als „Trumowe" urkundlich erwähnt. Diese besondere
Lage erklärt vielleicht auch den Namen, der zum Ausdruck bringt,
dass mit diesem „drum" das Ende der Aulandschaft gemeint
ist.
Dieses „Endstück der Au" ging nun im 12. Jahrhundert
in babenbergischen Besitz über, wobei die ersten Spuren von
Siedlungen in diesem Gebiet bereits 8000 Jahre zurückliegen.
Nachdem Markgraf Leopold III., der Heilige, das Zisterzienserkloster
Heiligenkreuz gegründet hatte, sicherte sein Sohn, Markgraf
Leopold IV., die wirtschaftliche Grundlage des Stiftes, indem er
dem Kloster 1138 das Dorf „Trumove" schenkte. Zu seiner
eigenen Sicherheit bat der Abt den Landesherrn, diese Schenkung
vor der Kreuzesreliquie zu beschwören. Die Schwurhand im Wappen
von Trumau bezeugt den Eid. Diese Hand findet sich auch im Wappen
der Marktgemeinde Trumau, dem 1971 noch ein weiteres Element hinzugefügt
wurde. Zwei gekreuzte silberne Hämmer symbolisieren Industrie
und Gewerbe und tragen einer Entwicklung Rechnung, die dieses Gebiet
bis heute prägt.
Die Zisterzienser wandelten nun dieses Dorf – ihrer
damaligen Wirtschaftsform entsprechend – in eine „Grangie" um,
in einen von Mauern umgebenen landwirtschaftlichen Gutshof. Die
Bezeichnung „Grangie" wird von „Granum",
Korn, von „Grangarium", die Vorratskammer, abgeleitet. „Grangien" bildeten
die vorherrschende Gutsform der Zisterzienser. Die von Laienbrüdern
bewirtschafteten Großgüter hatten einen Umfang von ca.
50 bis 400 ha, umfassten einen geschlossenen Landbesitz mit rechtlicher
Einheitlichkeit und produzierten ihre Erzeugnisse – wie im
Fall Trumau – für das Stift Heiligenkreuz sowie für
den lokalen Markt der nahen Städte. Ein Teil des Nordtraktes
erinnert heute noch an die „Grangie".
Weiters lehrt
uns die Geschichte, dass Kriege, Pest, Glaubensspaltung, Hungersnöte,
Heuschreckenplagen und Brände in den Jahrhunderten über
Trumau hinwegfegten und ihre Spuren hinterließen. Aber im
Unterschied zu vielen anderen Siedlungen, die nach all diesen Katastrophen
verödeten, trotzte Trumau immer wieder den Gefahren.
1650
strebte das Anwesen nach einer neuerlichen Zerstörung durch
die Türken nun einer Blüte zu. Abt Schnabel errichtete
eine schlossähnliche Anlage, die den Äbten von Heiligenkreuz
lange Zeit als Sommersitz diente. Auch Kaiser Leopold I. weilte
immer wieder gerne zur Jagd in Trumau. 1683 wurde das stattliche
Schloss durch die Türken abermals verwüstet und in der
Folge in eingeschränkterem Masse wieder aufgebaut. 1811 und
1880 wüteten die Flammen und beim Wiederaufbau verlor das
Schloss durch ein deutlich flacheres Dach seine prachtvolle Erscheinung.
Weltkriege zogen vorüber und die Nachkriegsjahre taten das Übrige.
1945 bis 1947 wurde das Schloss beschlagnahmt und diente der Roten
Arme als Nachrichtenzentrale.
1993 wurde es dann abermals restauriert
und auch dadurch wieder verändert. Aber die Zukunft des Schlosses
gehört nun zu Beginn des 21. Jahrhunderts der Zukunft des
ITIs und damit wieder einem „Granum“, der Bildung und
der Familie, den Wurzeln und der Hoffnung Europas.
Bitte
helfen Sie mit, das neue Campus-Projekt zu finanzieren
Trumau-
Photogalerie
|

|